München und das Fahrrad – das ist eine Liebesbeziehung mit Ecken und Kanten, aber vor allem mit unendlich viel Charme. In einer Stadt, in der das Auto oft im unerbittlichen Stau des Mittleren Rings kapituliert, ist das Radl nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein Statement. Es steht für Freiheit, für Lebensqualität und für die bayerische Gelassenheit, die wir „Liberalitas Bavariae“ nennen. Mit einem Netz von über 1.200 Kilometern Radwegen bietet die Landeshauptstadt Strecken, die weit mehr sind als nur Asphaltbänder: Sie sind die grünen Schlagadern einer Millionenstadt, die sich an vielen Stellen wie ein Dorf anfühlt.
Für unsere Leser von tipps-muenchen.de haben wir die Klingel geputzt und die Kette geölt. Wir nehmen Sie mit auf eine Reise durch die Stadtteile, an die Ufer der Isar und in die königlichen Parks.
Es gibt kaum ein intensiveres München-Erlebnis, als an einem sonnigen Vormittag die Isar entlangzurollen. Der Fluss ist der Ursprung der Stadt und bis heute ihr wichtigster Erholungsraum. Wer hier radelt, spürt den Puls der Stadt – vom hippen Glockenbachviertel bis hin zu den urwüchsigen Auen im Süden.
Die klassische Route führt von den nördlichen Ausläufern des Englischen Gartens bis hinauf nach Grünwald. Doch der wahre Zauber liegt im Detail. Zwischen dem Deutschen Museum und der Reichenbachbrücke pulsiert das Leben. Hier treffen sich Studenten, Familien und Lebenskünstler zum Grillen und Füßebaden.
Der journalistische Insider-Tipp: Wechseln Sie die Perspektive! Während die meisten Radler die westliche Seite nutzen, bietet das östliche Hochufer (oberhalb der Reichenbachbrücke) eine völlig andere Dynamik. Hier fahren Sie auf kiesigen Wegen durch dichten Wald, fast wie in den Alpen, und genießen immer wieder spektakuläre Durchblicke auf die Türme der Frauenkirche und des Alten Peters. Besonders zum Sonnenuntergang, wenn das Licht die Maximilianeums-Fassade in Gold taucht, ist diese Strecke unschlagbar.
Während sich im Südteil des Englischen Gartens – rund um den Eisbachsurfer und das Monopteros – die Picknickdecken in mehreren Schichten stapeln, offenbart der Nordteil (nördlich des Isarrings) eine fast schon meditative Stille. Für Radfahrer ist dies das Paradies schlechthin.
Sobald Sie die Brücke über den Isarring unterqueren, lassen Sie den Lärm der Stadt hinter sich. Die Wege werden breiter, die Wiesen weitläufiger. Hier teilt man sich die Strecke höchstens mit ein paar Joggern oder den Schafen, die zur ökologischen Rasenpflege eingesetzt werden. Die Fahrt führt vorbei am Entenfallweiher bis hin zum Aumeister.
Diese Gaststätte am nördlichsten Zipfel des Gartens ist ein Monument bayerischer Gemütlichkeit. Wer hier ankommt, hat sich die Maß Radler oder die Obatzda-Platte redlich verdient. Es ist einer der wenigen Orte, an denen man noch das „alte München“ spürt, weit weg vom touristischen Trubel der Kaufingerstraße. Die Strecke ist zudem komplett flach und somit ideal für einen entspannten Familienausflug mit Kinderanhänger oder für eine schnelle Trainingsrunde nach Feierabend.
Wer es herrschaftlich mag, sollte die Verbindung zwischen der prunkvollen Innenstadt und dem Münchner Westen wählen. Diese Route ist eine Zeitreise in die Ära der Wittelsbacher. Wir starten am Königsplatz, dessen klassizistische Strenge uns kurz innehalten lässt, und radeln über die Brienner Straße Richtung Westen.
Das Ziel ist das Schloss Nymphenburg, die einstige Sommerresidenz der bayerischen Könige. Die Einfahrt auf das Schlossrondell ist ein visuelles Ereignis: Die Symmetrie der Anlage, die Wasserspiele und die schiere Größe des Schlosses sind atemberaubend.
Wichtiger Hinweis für die Routenplanung: Im inneren Schlosspark herrscht striktes Radlverbot – und die Parkwächter verstehen hier keinen Spaß. Nutzen Sie stattdessen die Wege entlang des Nymphenburg-Biedersteiner Kanals. Diese führen Sie im Schatten alter Alleebäume kilometerweit am Wasser entlang. Es ist eine der kühlsten und angenehmsten Strecken an heißen Hochsommertagen. Der Kanal verbindet das Schlossareal zudem auf charmante Weise mit dem Olympiapark, was diese Tour zu einer perfekten Kultur-Natur-Kombination macht.
Der Olympiapark ist nicht nur ein Denkmal der Architektur von 1972, sondern auch ein topografisches Highlight für Radfahrer. Die geschwungenen Wege folgen der Zeltdach-Konstruktion und bieten ständig neue Blickwinkel auf die Stadt.
Eine Rundtour durch den Park sollte definitiv den Olympiaberg einschließen – sofern die Kondition mitspielt. Die Auffahrt ist kurz, aber knackig. Oben angekommen, wird man jedoch mit einem 360-Grad-Panorama belohnt, das bei gutem Wetter (Stichwort: Föhn) bis zur Zugspitze reicht.
Nach der rasanten Abfahrt lohnt sich ein Schlenker vorbei am Olympiastadion und der BMW Welt. Wer noch Energie hat, radelt weiter in den angrenzenden Luitpoldpark. Dort wartet das „Bamberger Haus“ mit seiner prachtvollen Fassade und einem der schönsten Biergärten der Stadt auf Sie. Der Park ist zudem bekannt für seinen Wilhelm-Güll-Garten, ein kleiner versteckter Ort der Ruhe, den selbst viele Münchner nicht kennen.
München ist eine Fahrradstadt, und das bringt Herausforderungen mit sich. Journalistisch gesehen muss man ehrlich sein: Die Wege sind oft überfüllt. Damit die Tour zum Vergnügen wird, ist gegenseitige Rücksichtnahme das oberste Gebot.
München „erfährt“ man am besten im wahrsten Sinne des Wortes. Das Fahrrad erlaubt es uns, die Distanzen dieser Metropole zu begreifen, ohne den Kontakt zum Boden zu verlieren. Es verbindet die historischen Plätze mit den wilden Naturräumen der Isar.
Egal, ob Sie als Tourist die Highlights abklappern oder als alteingesessener Münchner am Wochenende einfach mal den Kopf frei bekommen wollen: Packen Sie eine Flasche Spezi in den Korb, prüfen Sie den Reifendruck und lassen Sie das Auto stehen. Die schönsten Ecken Münchens erreicht man ohnehin nur auf zwei Rädern.
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